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coconut milk
wenn die verehrungswürdige meryl streep bei inside the actors studio auf die frage »what turns you off?« mit »cynicism.« antwortet, trifft sie genau ins schwarze (der rest des interviews ist auch sehr sehenswert). es ist eine entwicklung, die ich immer deutlicher wahrnehme, sei es bei meinen freunden, bekannten oder vor allem bei twitter, facebook & co: zynismus, sarkasmus und ironie sind total angesagt. die gruppen à la »ich spreche fließend ironisch« sind unzählbar. ich finde das schrecklich und wehre mich dagegen diese eigenschaften als erstrebenswert darzustellen. was soll bitte daran bitte toll sein nichts an sich heran zu lassen und niemals auf eine ernste ebene zu kommen? gerade in den letzten monaten habe ich menschen kennengelernt, die einen permanenten panzer aus ironie tragen und die dadurch in einer konversation nur auf einer schnippisch-ironischen ebene herumdümpeln können. das führt bei mir dazu, dass ich mich nicht mehr mit diesen menschen unterhalte. hielt ich mich bis vor kurzem auch noch für einen sehr sarkastisch-trockenen menschen, merke ich, wie mich dieser »hype« immer mehr ankotzt, da diese menschen alles unter einer eiskalten oberfläche behalten und sie augenscheinlich nichts bewegen kann. ich bin sicher ein fan von kritischer distanz, aber nicht um jeden preis.
auch in der literatur werde ich zunehmend empfindlicher, was ironische, »mit einem augenzwinkern geschriebene« texte angeht. adorno schreibt im zusammenhang mit ironisch verwendeten anführungszeichen: »Dort, wo es überhaupt etwas zu sagen gibt, weist allerorten Indifferenz gegenüber der literarischen Form auf Dogmatisierung des Inhalts. Der blinde Richtspruch der ironischen Anführungszeichen ist deren graphischer Gestus.«¹ natürlich passt das nicht direkt in den zusammenhang, ich finde diese betrachtung der verwendung von anführungszeichen oder satzzeichen allerdings sehr interessant: dort, wo es wirklich um etwas geht, braucht man keine ironischen anführungszeichen. werden sie trotzdem benutzt, verweist das darauf, das dem autor des textes sein inhalt nicht sehr wichtig sein muss.
andersrum wird also ein schuh daraus: ironisch-sarkastische menschen hebeln durch diese eigenschaften ihre eigene relevanz aus. sie zeigen dadurch, dass sie nichts zu sagen haben. aber ich denke, man möchte sich doch gerade mit den menschen unterhalten, die viel zu sagen haben.
¹Adorno, Theodor W.: Satzzeichen, in: Noten zur Literatur, hg. v. Rolf Tiedemann, Frankfurt am Main 2003, S. 106-113, hier S. 108.
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verbindungen (1)
oh, ich liebe es, wenn ich dinge lese, die sich nach bereits ganz kurzer zeit mit anderen dingen kontextualisieren, die ich bereits kenne und sich ein wirres, aber faszinierendes netz von verbindungen bildet. so liegt der ursprung der großartigen dichtergruppe oulipo (leider ist der wikipedia-artikel sehr mittelmäßig) im nicht minder großartigen collège de ’pataphysique, denn dort lernten sich raymond queneau und françois le lionnais kennen. zu den mitgliedern des collège de ’pataphysique gehörten noch unter anderem jean baudrillard, marcel duchamp, umberto eco, max ernst, m. c. escher, eugène ionesco und man ray. marcel duchamp, der ja bekanntlich in seinem badezimmer an einem lachanfall starb (zumindest vielleicht), wurde später auch mitglied von oulipo, genauso wie oskar pastior, dessen leben von herta müller in ihrem roman »atemschaukel« verarbeitet wurde.
und achja: alexander kluge war schüler adornos.
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la disparition (1)
tu es toujours là. ta tête près de la mienne et autrefois je m’avais demandé si je pourrais le résister : chaque matin les mêmes yeux, chaque jour les mêmes paroles, chaque soir les mêmes actions, chaque nuit les mêmes souffles, toujours les mêmes odeurs, toujours les mêmes bruissements. aujourd’hui je sens parfois le soupçon, dans cettes nuits-là, et il m’inquiète un peu car j’ai peur de perdre ma réponse trouvée. mais elle est gravée dans le marble. parfois j’ai l’impression qu’on se voit trop souvent. parfois les nuits m’épuisent. je m’en fiche. tu sais que je suis peut-être ou plutôt probablement le type qui ne peux pas résister à la présence permanente d’une seule personne quoique je n’aie pas l’air de ça. mais je l’ai changé pour toi, tu devrais le savoir. alors, quoi qu’il en soit : il va encore s’améliorer, c’est sûr.
(évidemment j’espère que tu as oublié cette adresse. mais malgré cela c’est ridicule quand même que je croix que le français serait un abri bien que je sache que tu comprends presque tout et « hurrah! » pour ma syntaxe la plus allemande. et ne me comprends pas de travers, s’il te plaît !)
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das rauschen meiner sprache
(es ist wahrscheinlich die aufgeladene vergangenheit und die jahre der erinnerungen, die mich immer wieder hierher ziehen. und vielleicht auch, dass ich zu blöd für andere blog-plattformen bin. wobei: wahrscheinlich sträubt sich einfach etwas in mir, damit ich zurückkehren muss und ich mich an etwas seltsam-vertrautes klammern kann. jedenfalls, heute, überkam es mich wieder, in so einer nacht, in der einem der nach-hause-weg nicht lang genug sein kann. und ich holte dich wieder heraus, oh conclusio, schäbige schablone meines lebens. ich habe keine ahnung. ich frage nicht nach regelmäßigkeit, aber vielleicht werden schnipsel draus. ich stöberte in ein paar einträgen von früher und ich merke: ich bin so anders geworden. vielleicht gut diesem anderen heute das gleiche früher entgegenzusetzen. diese wirre, unfassbare welt von damals. ich bin froh, dass sie zu klein wurde und am ende wie eine kleine knallerbse platzte. aber andererseits vermisse ich sie auch, leider viel zu häufig. ich hatte mich irgendwie immer zu hause gefühlt, trotz allem, und jetzt ist alles verschwunden und wird nienienie wiederkommen. es fühlt sich an wie ein schlechter traum und doch passierte es alles genau so und jedes mal frage ich mich: gott, warst das wirklich du? jedenfalls, eines hat sich in den 8 jahren sicher nicht verändert: ich schreibe, hier, für mich. c’est tout.)
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die sprache, sie rauscht in meinen ohren. ich höre sie pulsieren, manchmal, nachts. ich unterdrücke sie, aber ich weiß, sie wird sich bald ihren weg bahnen. oh ich höre es, oh ich fühle es. die sprache, sie rauscht, und ich sehe das rauschen, ich sehe die einzelnen silben wie silberfischchen auf dem bildschirm tanzen. es wird aus mir herausbrechen, mit ein bisschen arbeit, mit ein bisschen disziplin, natürlich, vielleicht auch nicht; bald bald.
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